Ratgeber – Welche Cachaça für eine Caipirinha?

Berechtigterweise wissen viele Gelegenheitstrinker gar nicht, was überhaupt eine gute Cachaça ausmacht. Das Nationalgetränk Brasiliens genießt hierzulande leider immer noch nicht den Stellenwert, den es verdient, weshalb billige Industrieprodukte weit verbreitet auf dem Markt erhältlich sind. Hochwertige Cachaças hingegen gelangen oftmals gar nicht in den Export und überqueren deshalb nie unsere Landesgrenzen. Schade.

Nichtsdestotrotz hat sich auch hier etwas getan und nicht zuletzt wegen des wachsenden E-Commerce trifft man auch bei Nischenprodukten wie die Cachaça plötzlich auf Premium-Produkte im Internet.

Cachaça – Welcher ist der beste?

In einem anderen Artikel habe ich bereits ausschweifend und im Detail verschiedene Industrieprodukte mit einem Artisanal, daher traditionell hergestelltem Produkt, verglichen.

Für eine Caipirinha sollte man, sofern man denn über das nötige Kleingeld verfügt, immer auf ein hochwertiges Handwerksprodukt zurückgreifen. Dieses sollte wenn möglich 42 Vol.-% oder mehr haben und ungelagert sein.

In Brasilien sind außerdem die goldfarbenen Cachaças mit Holznoten sehr beliebt, die in einheimischen Barriquefässern reifen. Diese Varianten bieten sich aber einfach nicht für einen erfrischenden Sommer-Cocktail an. Daher sollte man Wert auf eine ungelagerte Cachaça legen, bei der die volle Fruchtigkeit zur Geltung kommt.

Ganz persönliches Highlight und absolute Produktempfehlung ist die Cachaça Avua Prata. Diese high-end Cachaça hat die gewünschten, extrem langanhaltende florale Aromen, die man sich in jeder Caipirinha wünscht. Dazu fast keine alkoholische Schärfe, fast schon mild. Ein absoluter Garant für gelungene Cocktailabende.

 

Kleiner Exkurs – Welchen Ursprung hat die Caipirinha?

Immer wieder interessant zu Erfahren, welche Entstehungsgeschichte hinter einem Cocktail steht. Die Caipirinha hat ihren Urspurng in der Nähe von Sao Vicente Anfang des 20. Jahrhunderts. Damals verhalf man sich bei Fiebererscheinungen mit Limette, Knoblauch und Honig gegen die sogenannte Spanische Grippe, die sich in weiten Teilen Südamerikas schnell verbreitet hatte. Mit der Zeit tauschte man peux-a-peux den Knoblauch gegen Eis und Honig gegen Industriezucker ein und plötzlich entstand ein Genussgetränk. Das zu beginn nur in ländlichen Regionen verbreitete Getränk war anfangs bei Stadtleuten verpönt, weshalb man den Drink als Caipira, zu deutsch „Landei“ abwertete. Doch nach dem zweiten Weltkrieg gelang auch diese Art des Konsums in die Ballungszentren und schnell wurde aus der Caipira die verniedlichte Form „Caipirinha“, während man im Landesinneren eher den Purgenuss bevorzugte.

Caipirinha – Das Originalrezept aus Brasilien

Zutaten

  • 6 cl Cachaça / Pinga (Schaps aus Zuckerrohrsaft)
  • 3 Teelöffel weißer, raffinierter Rohrzucker
  • 1 frische Bio-Limette
  • Eiswürfel (!)

Zubereitung

Limetten – Aber Bio bitte

Am besten kauft man frische Limetten und verzichtet auf den Einsatz von vorgepresstem Limettensaft. Es empfiehlt sich Bio-Qualität zu kaufen, da die geviertelten Limettenscheiben samt Schale in den Cocktail gegeben werden. Diesen „Luxus“ sollte man sich gönnen, da beim Anbau der Zitrusfrüchte für gewöhnlich Pestizide verwendet werden. Die Limetten sollten außerdem prall sein und eine schöne Grünfärbung haben. Schrumpelige, oder gar gelbe Früchte am besten erst gar nicht kaufen.
Bevor man die Limettenviertel in den Cocktailshaker gibt, sollte man das weiße Fleisch in der Mitte der Frucht entfernen, da diese unangenehme Bitterstoffe enthält. Nun kann alles mithilfe eines Mörsers ausgequetscht werden. Bei der Pressung sollte man etwas zurückhaltend vorgehen, da auch die Schale ausreichend Bitterstoffe enthält.

Zucker – Je feiner desto geiler

Anschließend kommen drei gestrichene Esslöfel des feinen weißen Rohrzuckers in den Shaker. Moment? Kein brauner Zucker? Tatsächlich handelt es sich bei der grobkörnigen Variante um gefärbten Rübenzucker mit der wohl ungünstigsten Löslichkeit für einen Cocktails. Kein Brasilianer käme auf die Idee diesen zu verwenden.

Bei Markteinführung des Cocktails wurde der braune Zucker üblicherweise gehandelt und ließ dazu den Caipirinha schlichtweg exotischer wirken. Bis heute scheinen die Deutschen es außerdem zu mögen, den Zucker durch einen Strohhalm genüßlich zu schlürfen. Mit dem Originalrezept hat das aber leider gar nichts zu tun.

Eis – Bitte nicht Crushed

Danach gibt man eine großzügige Menge Eiswürfel in den Shaker. Moment? Eiswürfel? Hierbei handelt es sich um einen weiteren Irrtum Deutscher Cocktailkultur. Das bekanntere Crushed Ice lässt den Cocktail schnell verwässern und die Fruchigen Cachaça-Aromen geraten dadurch in den Hintergrund. Ebenfalls ein No-Go für unsere Lateinamerikanische Freunde.

Strohhalm – Bitte nicht

Ist der Cocktail wie oben zubereitet kann man ihn problemlos aus dem passenden Glas trinken. Verzichten Sie auf Strohhälme, auch der Umwelt zur Liebe.

Cachaça – Bloß nicht billig

Zum Schluss gibt man etwa 6 cl Cachaça hinzu und shaked das ganze anschließend ordentlich durch. Wie oben bereits beschrieben empfieht sich unbedingt etwas mehr Geld für eine gute Spirituose auszugeben.
Die Brasilianer bereiten den Drink verbreitet direkt im Glas zu, was für die Verteilung für Süße, Säure und Alkohol allerdings eher ungünstig ist. Hier erlaube ich mir mal minimal vom Originalrezept abzuweichen und stattdessen das Shaken zu empfehlen.

Ich bin großer Fan einer guten Caipirinha und bevorzuge diese sogar vor einem Mojito. Wer’s richtig macht wird auch bald verstehen warum. Prost, oder wie man in Brasilien sagt: Saúde!

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Alternative Cocktails mit Cachaça

Batida de Maracuja

Wie bereits bei der Caipirinha sorgen die Brasilianer dafür, dass die Bestandteile aus dem eigenen Land kommen. Das gilt auch für die Maracuja (oder auch Passionsfrucht). Man könnte fast sagen, es ist der Apfel Brasiliens. Leider sind die Früchte hierzulande oft klein, sauer und unreif.

Im Inland bekommt man ausgewachsene Exemplare, die sich von der Größe her mit einer Grapefruit vergleichen lassen. Dieser extrem exotische Cocktail wird deshalb mit Nektar, statt mit frischen Früchten zubereitet.

Zutaten

  • 6 cl Cachaça / Pinga (Schaps aus Zuckerrohrsaft)
  • Fruchtfleisch von zwei Passionsfrüchten
  • Maracujarnektar
  • 2-3 Barlöffel weißer Rohrzucker
  • 4 cl gesüßte Kondensmilch
  • Eiswürfel

Zubereitung

Alle Zutaten in einen Shaker geben, diesen mit Eis befüllen und anschließend kräftig durchschütteln. Anschließend den kompletten Inhalt samt Eis in das Gästeglas umfüllen.

 

Quentão

Vielleicht nicht ganz das, was man beim Gedanken an Strand und Palmen im Kopf hat. Quentão, was übersetzt „sehr heiß“ oder „sehr heiß“ bedeutet, besteht aus Cachaça und Gewürzen. Quentão wird oft während der Festa Junina („Junifest“) serviert, bei der die Geburt von Johannes dem Täufer gefeiert wird. Dieses Festival ist historisch mit dem europäischen Mittsommer verbunden, der zu Beginn des brasilianischen Winters stattfindet. Quentão ist sozusagen das brasilianische Äquivalent zum Glühwein.

Zutaten

  • 1 Teil Cachaça
  • 1 Teil Wasser
  • Schale von zwei Orangen und einer Limette
  • Gewürze (wie Zimt, Ingwer, Nelken, Muskat)
  • Zucker

Zubereitung

  1. Der Zucker wird zuerst mit den Gewürzen, Ingwer und den Schalen karamellisiert
  2. Diese Mischung wird dann mit Wasser gekocht, ca. 10 Minuten
  3. Dann wird der Cachaça hinzugefügt und für ca. weitere 5 Minuten
  4. Servieren in einer Tasse

Cachaça kaufen – 5 Produkte im Vergleich

Mit Cachaça ist das ein wenig wie mit Cognac oder Tequila. Man kauft ihn verhältnismäßig selten. Sobald dann die nächste Motto-Party „Viva la Copacabana“ ansteht, greift man natürlich und routiniert zu den geläufigen Produkten im Regal. Die Begeisterung bei der Feier beschränkt sich dann aber leider auch auf die getroffene Musikauswahl und Dekoration. Ich habe mir mal die Zeit genommen ein paar Eckdaten kurz und bündig aufzulisten, damit der nächste Cachaça-Kauf ein voller Erfolg wird.

Worauf sollte man beim Kauf achten?

Die Frage um was es sich bei Cachaça im Detail handelt, habe ich in einem anderen Artikel bereits beantwortet. Zusammengefasst, es gibt zwei arten von Cachaça:

  1. Cachaça Artesanal
  2. Cachaça Industrial (=Aguardente)

Wie man sich bereits denken kann, ist die Industrial-Variante die vermeintlich minderwertigere von beiden. Bei Cachaça Artesanal handelt sich sich hingegen um Destillate, die nach aufwändigen und handwerklichen Methoden hergestellt werden. Leider werden diese Praktiken zumeist nur von kleineren und mittleren Betrieben angewendet.

Dazu ist die Begriffsverwendung Artesanal keiner gesetzlichen Regelung unterliegt ist es allerdings schwer diese durch das Etikett voneinander zu trennen. Ein weiteres Problem ist, dass diese exquisiten Produkte aufgrund der geringen Nachfrage oft gar nicht in den Export gelangen.

Folgende Indikatoren zeigen eine gute und nachhaltige Qualität eines Cachaça:

  1. Ernte: Die Zuckerrohrernte wird nicht mittels Rodung von Strohresten befreit sondern händisch bearbeitet. Bei der Rodung können nämlich unangenehme Brennrückstände auf den Rohren zurückbleiben, die sich im weiteren Verlauf negativ auf den Geschmack auswirken.
  2. Fermentation: Industriehefen, sowie Gährbeschleuniger wie Maisstärke und Kleie sollten bei der Produktion Tabu sein. Beides beeinträchtigt massiv das Ausreifen von fruchtigen Noten im späteren Produkt. Wie auch bei der Fasslagerung spielt der Faktor Zeit hier eine ganz entscheidende Rolle für die Qualität des Endprodukts.
  3. Destillation: Ähnlich zum Whisky werden authentische Cachaças Artesanal in Kupferbrennblasen statt Edelstahlsäulen gebrannt. Kupfer hat die positive Eigenschaft während des Vorgangs ungewünschte, als faulig wahrzunehmende Schwefelverbindungen abzubauen. Im diskontinuierlichen Verfahren gehen außerdem nicht ansatzweise so viele Aromen verloren wie in den hochgebauten Edelstahlbrennern.

So Weit, So gut.

Um geschmacklich nachzuvollziehen, wie enorm der Unterschied zwischen einem Industrial und einem Artesanal ist, habe ich eine Verkostung angesetzt. Den im Einzelhandel erhältlichen Produkten Pitú, Cachaça 51, Cachaça Velho Barreiro und Nega Fulo, ihres Zeichen allesamt Aguardentes steht ein wahrhaft interessanter Premium-Cachaça gegenüber: Cachaça Avua Prata.

 

Wie schmecken die getesteten Cachaças?

Cachaça Pitu

Pitú Cachaça kommt aus dem Bundesstaat Pernambuco im Nordosten Brasiliens. Er wird aus gepresstem Zuckerrohrsaft hergestellt und mehrere Wochen in Holzbottichen gelagert, bevor er in die Flasche abgefüllt wird. Die Aromen sind süßlich und stark alkoholisch, fast schon aufdringlich. Auch beim Trinken offenbart sich eine unangenehme Sprittigkeit und vermisst jegliche Fruchtnoten, die man sich von einer Cachaça wünscht. Schade.

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Cachaça 51

Cachaça 51 ist Brasiliens führende Marke von Cachaça mit über 240 Millionen verkauften Litern jährlich und ist damit die, angeblich, zweitgrößte Spirituose der Welt. Dem Etikett zufolge wurde die ungelagerte Cachaça im Anschluss an die Herstellung nachgesüßt.

Bei der Verkostung ist wie beim Pitu eine alkoholische Schärfe wahrzunehmen, auch wenn der 51er insgesamt wesentlich milder ist. Der Körper ist eher flach und bietet Noten von Banane, Zitrusfrüchten und eine Süße von braunem Zucker. Sicherlich aber ordentliche und günstige Variante zu vielen anderen Mitbewerbern.

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Cachaça Velho Barreiro

Velho Barreiro Cachaça wird in einer Zuckerrohrfabrik in einem Vorort von São Paulo doppelt destilliert, bevor sie für eine unbestimmte Zeit in großen Eichenfässern reift.
Dadurch nimmt die Cachaça deutliche Süße, sowie leichte Holz- und Vanilletöne an. Es fehlt gänzlich an Komplexität und unangenehme Bitterkeit macht sich auf der Zunge breit. Sicherlich eine Alternative für Cocktails, für die Purverkostung allerdings gar nicht geeignet.

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Cachaça Nega Fulo

Nêga Fulô wird nach einer fast 200-jährigen Tradition in der Nähe von Rio de Janeiro, in den Bergen über der Copacabana, hergestellt. Deutlicher Geschmack von Zuckerrohr. Reife und abgerundete Noten. Nega Fulo macht einen recht soliden und milden Eindruck. Er lässt zwar an frische vermissen, hat dafür nicht die Sprittigkeit, die man bei einigen anderen Vertretern mit Bedauern feststellen musste.

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Cachaça Avua Prata

Avuá (wird av-wah ausgesprochen) ist eine feine, handgefertigte Cachaça, die aus der Gegend außerhalb von Rio stammt. Das Zuckerrohr stammt aus einem Bauernhof, der dritten Generation betrieben wird. Ein gutes Zeichen für waschechte und ehrliche Handarbeit ist der pure Geschmack, der sich von Jahr zu Jahr ändert. Man destilliert anschließend in Kupferkesseln und lagert den Brand daraufhin in Edelstahltanks.

Die feinen Unterschiede entstehen durch die wechselnden klimatischen Bedingungen. Prata ist ein ungereifter Cachaça, der üppige florale Noten hat. Harmonisch ausbalanciert mit allem was eine ansprechende Cachaça mitbringen sollte.

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Fazit – Welche Cachaça für meine Caipirinha?

Autos, Uhren, Klamotten – Nicht bei allen Produkten zahlt sich ein höherer Preis unbedingt aus. Bei Spirituosen und speziell Cachaça ist das leider anders. Mit deutlichem Abstand überzeugt der Cachaça Avua Prata und besticht dabei durch eine florale Frische gepaart mit angenehm mildem Alkoholcharakter. Einfach der perfekte Begleiter für einen Abend mit high-end Caipirinhas.

Um das Mixen einer perfekten Caipirinha zu trainieren, eignet sich zu Beginn vielleicht auch die Cachaça 51, bevor man dann aber auf das Premium-Produkt umsteigen sollte. Wer lieber fassgereifte Produkte für den Purgenuss kaufen möchte, der sollte sich die TOP 10 Zusammenstellung von Erlebnis Rio de Janeiro zu Gemüte führen. Meiner Meinung nach eine großartige Auswahl.

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